La Superba

Duellkunst italienischer Tradition

Ein kurzer historischer Überblick

Die Unterrichtsinhalte und die Prinzipien der italienischen Kampfkünste gehen auf die akademischen maestri di scherma/maestri di scrima (Fechtmeister) zurück.
Sie überlieferten seit dem 14. Jahrhundert ihre Methoden des Schwert-, Degen- bzw. Dolchfechtens. Diese Methoden wurden nahezu unverändert weitergegeben und vermischten sich erst zwischen 1917 und 1943 mit denen des italienischen Militärs, insbesondere mit den Methoden der Arditi (eine italienische Sturmtruppe aus dem 1. Weltkrieg). Bei diesen Methoden, die in der Scuola d’Armi Tigre di Giada als fechterische Grundmethoden gelehrt werden, handelt es sich um einfach strukturierte und geradlinige Wege des Kampfes, die es dem Lernenden ermöglichen, in für eine Fechtausbildung relativ kurzer Zeit ein gutes Maß an Fähigkeit zu erlangen.

Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden auch vermehrt Kampfsysteme in den bürgerlichen Schichten. Diese können in ihrer regionalen Ausprägung sehr unterschiedlich sein und befassen sich in erster Linie mit dem Messerkampf und dem Kampf mit alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie z.B. der Hippe (roncola), dem Rasiermesser, dem Spazierstock (bastone da passeggio), dem Hirtenstock (bastone siciliano-pugliese) und der Axt (accetta).
Des Weiteren decken die bürgerlichen Systeme auch die Handhabung flexibler Waffen, den Kampf mit dem kurzen Knüppel (manganello) und die Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung ab.

Ende des 20. Jahrhunderts begann Maestro Antonio Merendoni, vor allem die bürgerlichen Systeme der verschiedenen Regionen Italiens zusammenzutragen, um sie untereinander vegleichen zu können und versuchte, sie in eine einheitliche Systematik zu stellen, die er Scherma dell’ Assalto del Leone (die Fechtkunst des Löwenansturms) nannte.

2002 begann der in Deutschland lebende Roberto Laura Maestro Merendonis System zu erlernen. Roberto Laura entwickelte auf der Grundlage der Lehren Maestro Merendonis und einiger anderer Lehrer (zu nennen wäre hier vor allem Maestro Claudio Parodi aus Genua), das sich auch heute noch ständig weiter entwickelnde Konzept La Superba (die Stolze/die Herrliche; benannt in Anlehnung an den Beinamen der Stadt Genua).

La Superba heute

La Superba ist kein geschlossenes System, sondern eine Zusammenstellung verschiedener Kampfmethoden Italiens. Die einzelnen Methoden werden rein und voneinander getrennt gelehrt, allerdings werden sie anschließend untereinander in Strategie und Technik verglichen und auch im Freigefecht miteinander verknüpft.

La Superba wird in Monaco di Baviera (München) seit Juli 2007 durch Rupert Sedlmayr und seine Scuola d’Armi Tigre di Giada (Waffenschule Jadetiger) gelehrt.
Das Hauptgewicht liegt hier auf der klassisch-fechterischen Ausbildung, sowie auf den Methoden Norditaliens.

Die in München derzeit gelehrten Methoden sind (nicht in chronologischer Reihenfolge):

  • coltello settentrionale / metodo ‘Arditi’ (klassisch-norditalienisches Messer)
  • – guardia offensiva (Messer in der Führhand)
    – guardia difensiva (Messer in der Hinterhand)
    – daga e indumento (Messer und Mantel)
    – guardia due mani (zweihändiges Messer)(did.)
    – doppia daga (zwei Messer)(did.)

  • arti genovesi di difesa e offesa (traditionelle Kampfkünste aus Genua)
  • – coltello genovese (Messermethode aus Genua)
    – bastone genovese (Spazierstock, zweihändiger Stock und Kurzstock aus Genua)
    – savate genovese (waffenlose Selbstverteidigung ähnlich dem franz. Savate)
    – [bald] gambetto genovese (waffenlose ringerische Selbstverteidigung)

  • coltello piemontese (Messermethode aus dem Piemont)
  • roncola sinti-piemontese (kleine Hippe aus dem Piemont)
  • coltello romagnolo (Messermethode aus der Emilia-Romagna)
  • manganello romagnolo (Kurzstock aus der Emilia-Romagna)
  • accetta (Handaxt aus Padua)
  • a calci e schiaffi (waffenlose Selbstverteidigung “mit Tritten und Ohrfeigen”)
  • cintura metodo Laura (Selbstverteidigung mit dem Gürtel nach Maestro Laura)

  • zusätzliche fortgeschrittene, nicht-traditionelle Methoden/Konzepte
  • – finta da guardia
    – guardia occulta
    – coltello primitivo
    – pazziatura carpentiere

Zusätzlich wird seit 2011 folgende in München entwickelte deutsch-italienische Methode gelehrt:

  • lametta monacensa (deutsch-italienische Duellmethode aus München)

 
Fortgeschrittene Schüler stellen zudem nach und nach die “für sie persönlich herrlichste Methode” (La Superba – die Herrliche) zusammen. Zu diesem Zweck werden Schüler, die ein ausreichend hohes Verständnisniveau erlangt haben, ermutigt, auch an Seminaren anderer Lehrer und Kampfkünste teilzunehmen. Der “Blick über den Tellerrand” ist der beste Schutz vor Betriebsblindheit und testet die Methoden ständig stilübergreifend.